Juni 2017

„Arbeiten um zu leben – leben um zu arbeiten“. Wir brauchen außer der Arbeit auch die Ruhe und den Ausstieg aus dem Alltag.
Was verstehen sie unter Arbeit? Ist Arbeit gleich Erwerbsarbeit? Wozu ist Arbeit gut? Nach kirchlichem Verständnis gehört Arbeit unmittelbar zum Menschsein dazu. Arbeit ist Menschenrecht und Teil der Menschenwürde.
Welchen Sinn messen wir der Arbeit bei? Was ist Arbeit: Sinnstiftung, Beschäftigung, Ausbeutung, Selbstverwirklichung, Broterwerb, Privileg...?
Wir haben es mit einem arbeitenden Gott zu tun, der die Arbeit wertschätzt.
Gott selbst arbeitet, er erschafft die Welt durch körperliche, durch handwerkliche Arbeit, so zu lesen auf den ersten Seiten der Bibel. Und Gott arbeitet so, dass er müde wird und von der Arbeit ausruht. Er ruhte von seiner „Malacha“, seiner Maloche. Es ist das allgemeinste Wort für Arbeit und hat noch keinen negativen Klang. Das Gottesbild der Bibel hat nun auch Konsequenzen für das Menschenbild. Ebenbild Gottes ist der Mensch. Dass Arbeit zum Menschen gehört, ist wie seine Fähigkeit zur Arbeit, begründet in der Schöpfungsarbeit Gottes. Er lässt weder andere Götter für sich arbeiten, noch beschränkt er sich auf das Geistige. Stattdessen malocht er selbst.
Menschsein ohne Arbeit kommt auch da nicht in den Blick, wo man vom idealen Leben träumt. Auch der Mensch im Paradies arbeitet. Bebauen und bewahren sind die biblischen Begriffe für diese Arbeit. Das ändert sich auch nicht, als der Mensch aus dem Paradies rausgeworfen wird. Arbeit, wenn auch im Schweiße und in der Mühsal des Alltags ist Mitarbeit an Gottes Schöpfung. Fazit: Arbeit ist ein wichtiger Teil im menschlichen Leben.
In der Bibel gehört Arbeit zum Leben, zu der Würde des menschlichen Lebens. Das biblische Ideal ist ein Leben mit Arbeit nicht aber ein Leben durch Arbeit. Selbst Gott ruhte am siebten Tag. Und deshalb ist es auch mal notwendig aus der Arbeit auszusteigen – nicht für immer, aber wenigstens mal zeitweise.
Die Ruhe ist nicht der Gegensatz zur Arbeit sondern ihre notwendige Ergänzung. Die Ruhe schließt die Arbeit ab. Arbeit ohne Ruhe ist unvollständig. Ruhe ohne Arbeit wird schnell zur Leere. Dies sind biblische Gedanken, aber sie können auch heute noch Orientierung geben und Probleme anzeigen. Nicht Entwertung der Arbeit, nicht  größtmögliches Wachstum scheinen mir biblisch angemessene Forderungen zu sein, sondern kraftvolle, sinngebende Erholungsphasen. Dies zeigen auch die Äußerungen auf den nächsten Seiten. Arbeit, sinnvolle Erholungszeiten und der Erhalt des Sonntags, ein Arbeits- und Lebensrhythmus, biblische Forderungen, die der Mensch ganz einfach braucht.
Ihr Pastor Uwe Völker

März 2017

Was bin ich? Diese Frage stellte Robert Lembke in der gleichnamigen Fernsehsendung, wo es um heiteres Beruferaten ging. Noch heute erinnert man sich gern an den typischen Satz: „Welches Schweinderl hätten S’ denn gern?“
Wer bin ich? Wer sind Sie? Diese Fragestellung beziehen wir in dieser Gemeindebriefausgabe anlässlich des Reformationsjubiläums auf die Konfession: Katholisch oder evangelisch? Evangelischreformiert oder evangelisch-lutherisch? Oder einfach christlich?
Früher hat die Frage nach der Konfession zu Schulhofschlägereien geführt oder Liebende wurden durch die unterschiedlichen Konfessionen der Elternhäuser entzweit. Heutzutage fragen die Eltern im Taufgespräch in den Gemeinden unter der Plesse: Wir sollen aussuchen, ob unser Kind lutherisch oder reformiert getauft wird? Sind wir hier denn nicht evangelisch?
Diese berechtige Frage regt dann oft zum intensiven Gespräch über konfessionelle Identität und das Besondere an unserem Bovender Modell an. Wissenswertes dazu und persönliche Erfahrungen von Menschen aus unseren Gemeinden können Sie unter "Aktuelles" finden.
„Christen einigt euch!“ hat ein Unbekannter auf eine Mauer des Rohbaus des Dietrich-Bonhoeffer-Hauses gesprüht. Schnell war dieser Spruch entfernt. Doch die Idee, die dahinter steht, wird in unseren Gemeinden auf der Ebene der Ökumene schon längst gelebt, ob beim Weltgebetstag, dem ökumenischen Gesprächskreis in Bovenden, dem Taizékreis in Reyershausen oder dem Frauenkreis EVa trifft KATHi in Bovenden.
Das Miteinander und der Austausch sind uns in den Plessegemeinden wichtig.
Das, was unsere vielfältige Gemeinschaft der Konfessionen, der unterschiedlichen Christinnen und Christen unter der Plesse ausmacht, das hat Paulus mit einem guten Vergleich ausgedrückt:
Wir bilden miteinander in unseren unterschiedlichen Begabungen und Sichtweisen den Körper der Kirche, der Jesus Christus selbst ist. 1. Kor 12, 14 Der menschliche Körper besteht ja auch nicht nur aus einem einzigen Teil, sondern aus vielen. […] 20 Nun sind es zwar viele Teile, aber sie bilden einen Leib. 21 Deshalb kann das Auge nicht zur Hand sagen: »Ich brauche dich nicht.« Oder der Kopf zu den Füßen: »Ich brauche euch nicht.« […] 25 Denn im Leib darf es keine Uneinigkeit geben, sondern alle Teile sollen einträchtig füreinander sorgen. 26 Wenn ein Teil leidet, leiden alle anderen Teile mit. Und wenn ein Teil geehrt wird, freuen sich alle anderen Teile mit. 27 Ihr seid der Leib von Christus! Jeder Einzelne von euch ist ein Teil davon.
Pastorin Christina Klasink

Dezember 2016

Ein kleines Licht erhellt die Dunkelheit
Macht hoch die Tür, die Tor, das Herz macht auf!
Liebe Gemeinde, manch einer denkt jetzt vielleicht, der Text muss doch anders heißen. Aber ich meine wirklich die Tür, das Tor, das Herz macht auf. Denn in der Adventszeit bereiten wir uns auf die Ankunft Jesu auf dieser Welt vor. Und so möchten wir sie einladen, sich mit uns auf den nächsten Seiten langsam auf den Weg zur Heiligen Nacht zu machen, denn Advent heißt übersetzt Ankunft. Das Ziel liegt noch vor uns: das Kind in der Krippe. Darum Tür und Herz auf.
Jeder Sonntag im Advent symbolisiert einen wichtigen Bezug zu Jesus: Der 1. Advent steht für seinen Einzug in Jerusalem, der 2. für die Wiederkunft Jesu, der 3. erinnert an Johannes den Täufer als Vorläufer Jesu und der 4. an Maria, die Mutter Jesu.
Die Adventszeit fällt nicht von ungefähr in die dunkelste Jahreszeit. Erst zu Weihnachten kommt mit der Geburt Jesu Licht in die Welt. Mit jedem Adventssonntag, an dem wir eine weitere Kerze anzünden, wird der Weg heller.
Am 1. Advent will uns ein kleines Licht den Weg weisen durch die Dunkelheiten dieser Welt. Vielleicht hat der Volksmund recht, wenn er sagt: besser ein kleines Kirchenlicht als ein großer Armleuchter. Aber hat dieses kleine Licht überhaupt noch eine Chance wahrgenommen zu werden, wenn es von dem Beginn der heiligen Zeit erzählt? Längst ist aus der stillen, nachdenklichen und dunklen Adventszeit doch eine grelle und laute Weihnachtszeit geworden. Vielleicht haben wir das Warten verlernt und uns ist nichts mehr heilig.
Dunkelheit auszuhalten ist nicht angesagt, bereitet eher Angst. Und doch liegt in diesem kleinen unscheinbaren Adventslicht eine Verheißung. Lasst uns in das kleine Licht schauen und unsere Augen so weit schließen, bis
wir die Strahlen dieses Adventslichtes sehen und lasst uns dabei ferne Kunde vernehmen.
Advent - in der Dunkelheit des Lebens warten wir auf die Ankunft Gottes. Gut ist es, auf der Fahrt des Lebens auch einmal anzuhalten, innezuhalten und zu warten auf Gott.
Seit dem 5. Jahrhundert feiern die Christen Advent. Und Johann Hinrich Wichern fand im vorigen Jahrhundert ein Sinnbild für die Adventszeit: den Adventskranz. Zuerst brannte für jeden Tag in der Adventszeit ein Licht auf diesem Kranz und vier Lichter für die Sonntage. Das Wort Kranz hängt mit dem Wort Krone zusammen (lat. corona). Der Adventskranz gilt als Siegeskranz. Die Nadeln, immer grün, sind Sinnbild der Hoffnung. Die rote Schleife ist das Zeichen des Lebensbandes. Und schon haben wir uns dem Geheimnis angenähert, das unsere religiösen Symbole umgibt: das Sichtbare weist auf das unsichtbare Göttliche hin. Wer den äußeren Schein durchdringt, der nimmt den inneren Reichtum wahr, der von Gott erzählt und von seinem Weg zu uns.
Ihr
Pastor Uwe Völker

September 2016

Die Kirche ist reich!
Immer wieder einmal habe ich mich in den letzten Monaten im Kirchenkreis Göttingen und im Synodalverband Plesse umgeschaut. Meine Meinung: Unsere Kirche ist reich. Sie ist reich an Ideen, reich an hochengagierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, sowohl im Haupt- als auch im Ehrenamt. Die Kirche ist reich an der Vielfalt lebendigen Glaubens und reich an einer Kultur der gegenseitigen Wertschätzung und des Respektes. Es ist eine Kirche, in der ich mich wohlfühle.
Insgesamt ist in Deutschland jedoch vom Gedeihen, von Wachstum und Ausbreitung der Kirche wenig zu spüren. Vielmehr höre ich oft von Rückzug und Aufgabe. Die Zukunft für die Kirche scheint düster. Die Zahl der Protestanten und Katholiken in Deutschland ist 2015 im Vergleich zum Vorjahr um über eine halbe Million auf rund 6 Millionen gesunken. Nur noch 56 Prozent der Bevölkerung gehörten nach der Statistik 2015 einer der beiden großen Kirchen an, zehn Jahre zuvor waren es noch 62 Prozent. Dieser Mitgliederrückgang ist auch auf den demografischen Wandel zurückzuführen.
Warum diese Zukunftsangst? Und warum so wenig Gottvertrauen? Unsere Kirche ist reich an Menschen, die sich für ihre Kirche einsetzen und mitdiskutieren. Wer heute in der Kirche mitmacht, hat sich bewusst entschieden. Er hat keinen sozialen Druck mehr, zur Kirche gehen zu sollen oder sich zu einem Glauben zu bekennen. Eher im Gegenteil. In unserer Kirche ist es möglich, mit sehr unterschiedlichen Meinungen und Positionen, religiösen Werten und Gefühlen, Wünschen und Ängsten doch unter einem großen Dach beisammen zu sein – wenn denn Respekt und  Zuhören, echtes Interesse füreinander und Wertschätzung den Umgang miteinander prägen.
Das Christentum ist die Religion der Freiheit – und alle Kirchen sind daran zu messen, inwieweit sie eine Institution der Freiheit sind. Das in Theorie und Praxis neu zur Geltung gebracht zu haben, ist die bleibende Bedeutung der Reformation. So sagt es der Monatsspruch vom Oktober, wir lesen ihn im zweiten Korintherbrief: Wo aber der Geist des Herrn ist, da ist Freiheit. Und so ist die Frage zu stellen, wie glaubhaft es der Kirche gelingt, diese Botschaft zu bezeugen. Das ist die Aufgabe der Stunde und der Dienst, den sie zu leisten hat.
Ich weiß nicht, wohin der Herr seine Kirche lenkt. Doch Zukunft hat die Kirche, auch in Deutschland – doch sie wird anders aussehen als wir es gewohnt sind. Ich weiß auch nicht, in welche Richtung die Reise gehen könnte. Ich hoffe, es wird fröhlich, frech, bunt und fromm, kreativ und kompetent, innovativ, weltweit vernetzt – und evangelisch.
Diakon Wolfgang Ziehe

Juni 2016

Ich singe dir mit Herz und Mund
Ich singe gerne! Am liebsten in Gemeinschaft mit anderen, meistens ist das in einem Gottesdienst. Musizieren und Singen bereichern unser Leben. Wir summen im Auto oder trällern unter der Dusche. Singen bringt uns in Bewegung. Das gesungene Wort versetzt unseren ganzen Körper und die Seele in Schwingung. Musik kann uns beruhigen oder die Konzentration ankurbeln.
Im Gottesdienst singen wir Gott Lob und Dank. Wir bleiben so mit Gott verbunden und machen Erfahrungen mit ihm. „Ich singe dir mit Herz und Mund, Herr, meines Herzens Lust; ich sing´und mach auf Erden kund, was mir von dir bewusst.“ Freude und Dankbarkeit fließen von innen nach außen. Dieses Lied stammt von dem Dichter und Pfarrer Paul Gerhardt aus dem Jahr 1653. Die bekannte Melodie komponierte Johann Crüger. Das Lied nimmt mich an die Hand und führt mir mein Leben und alles, was dazu gehört, vor Augen. Es ist ein unübertreffliches Vertrauenslied! Geschrieben fünf Jahre nach Ende des Dreißigjährigen Krieges, den Tod seiner Ehefrau und dreier seiner Kinder hat er erlebt.
Die ersten sechs Strophen stellen menschliche Fragen: Was sind wir? Wer hat das Himmelszelt gesetzt? Wer hält Frieden in unserem Vaterland? Vertrauensvoll kommen die Antworten: „Ach Herr, mein Gott, das kommt von dir, du, du musst alles tun, du hältst die Wach an unsrer Tür und lässt uns sicher ruhn.“ Es klingt wie in unseren Fürbitten: Du, du musst alles tun. Gott hält mein ganzes Leben und bringt es zum Ziel. Nicht allein in Ewigkeit, auch hier auf unser irdisches Leben fällt das Licht Gottes. Auch jetzt kann es hell und fröhlich werden. Fühle ich mich geborgen und weiß ich mich getragen vom Schöpfer, ist das ein stabiles Fundament. Dieses Lied will mich genau daran erinnern. Es kann uns verändern und Mut geben, wenn wir ängstlich sind, kann uns fröhlicher machen, wenn wir den Kopf hängen lassen und die Strophen können trösten, wenn wir traurig sind. Das Lied überspielt wirklich kein Leid, es benennt es und hält so am Leben fest. Kein Mensch ist Gott zu klein. „Kein Zähr- und Tränlein ist zu klein, du hebst und legst es bei.“ Dies Vertrauen auf Gottes Nähe bewegt Paul Gerhardt, sich selbst einen Ruck zu geben und neuen Mut zum Leben zu schöpfen.
"Wohlauf, mein Herze, sing und spring...". Solche Worte zu singen können Glauben weiten, helfen im Vertrauen zu Gott zu leben. „… und habe guten Mut! Dein Gott, der Ursprung aller Ding, ist selbst und bleibt dein Gut.“ Im Evangelischen Gesangbuch finden Sie das Lied unter der Nr. 324 oder auch als Video bei youtube.
Ihre
Pastorin Jenny Robbert

März 2016

Alle waren sie gekommen und lobten unermüdlich den Wein, die Zartheit des Lammfleisches, den Duft des frischen Brotes, die Würze des Soße. Sie lachten und scherzten, ließen sich Wein nachschenken und freuten sich auf das frische saftige Obst, das gleich hereingetragen werden sollte. Das Fest war im vollen Gange. Die Wangen waren gerötet, die Stimmung gelöst.
Simon freute sich, dass sie nun hier waren und ihn erleben konnten. Wochenlang hatte er ihnen von ihm vorgeschwärmt: „Wisst ihr, er kennt sich nicht nur in der Schrift aus, sondern er hilft den Menschen auch. Er kann heilen... Er..." „Ja, wir wissen es doch, er hat dich vom Aussatz geheilt, Simon!" lautete die Antwort seiner Freunde. Jetzt waren sie hier und Simon konnte sehen, wie sie ihn beobachteten, ob er vielleicht etwas Besonderes sagen oder tun würde. Sie hatten ja schon so manches gehört. Doch bislang hatte sich der Meister recht gesellig und unkompliziert gezeigt, er redete und lachte mit ihnen, genoss dabei den Wein und aß mit Appetit. Es schien schwer nachvollziehbar, dass manche Schriftgelehrten in Jerusalem sich über ihn ärgerten und sagten, seine Lehren seien gefährlich.
Simon spürte einen Luftzug. Er sah zu Tür. Eine Frau war hereingekommen, völlig lautlos. Mit entschlossenen Schritten lief sie auf Jesus zu, der am Ehrenplatz saß. Sie zerbrach das Alabastergefäß und goss Jesus das Öl über den Kopf – alles, bis zum letzten Tropfen. Simon konnte spüren, wie seine Gäste und die Freunde des Meisters den Atem anhielten. Und dann brach ein empörtes Getuschel aus: „Was soll das, dieses Öl so zu verschwenden?“, sagten sie zueinander. „300 Silberstücke die Flasche! Das Geld hätte man doch auch den Armen geben können."
Doch während die anwesenden Männer sich noch über die Verschwendung des teuren Öls ereiferten, war Jesus schon einen Schritt weiter und wandte sich der unbekannten Frau zu und würdigte ihr Anliegen: „Lasst sie! Warum macht ihr es der Frau so schwer? Sie hat ein gutes Werk an mir getan." Simon hörte Jesus zu und stellte verwundert für sich fest: „Diese Frau hat Jesus etwas Gutes getan, ihm einen sinnlichen, unbeschreiblich schönen Dienst erwiesen. Nichts konnte sie davon abbringen, weder die Angst vor der Reaktion von uns fremden Männern noch die Angst um ihre eigene Zukunft und ihr Auskommen. Die unbekannte Frau hat sich ganz diesem einen Moment der Salbung hingegeben. Damit verleiht sie den Feierlichkeiten in meinem Haus das eigentlich Festliche. Zu einem gelungenen Fest gehört diese Hingabe an den Moment, dass unsere Lebensängste um unseren Ruf und unser Auskommen, ja sogar die Schrecken des Todes, das Wissen um unsere Endlichkeit uns nicht mehr abhalten können von der Freude am Leben.“
Simon lächelte, schloss einen Moment die Augen, atmete tief ein und genoss den warmen, süßen Geruch des Öls. Dann sah er sich noch einmal zur Tür um, wo er die Frau zuletzt gesehen hatte. Er wollte zu ihr hingehen und ihr danken. Doch sie war schon längst in die Nacht entschwunden.
Ihre Pastorin Christina Klasink

Dezember 2015

„Der Engel des Herrn erschien Josef im Traum und sprach: Steh auf, nimm das Kind und seine Mutter mit dir und flieh nach Ägypten...“ Matthäus 2,13-15

Die „Heilige Familie“ auf der Flucht!
Verzweifelte Menschen fliehen vor Krieg und Gewalt in ihrer Heimat. Sie wissen nicht mehr, wie es für sie weitergehen kann - Potentaten klammern sich in vielen Staaten an die Macht, verfolgen Gegner und gehen am Schicksal ihrer Mitmenschen achtlos vorbei. Das Thema bestimmt seit Wochen unsere Nachrichten.
Was viele nicht wissen: Auch Jesus musste mit seinen Eltern aus seiner Heimat fliehen – davon erzählt das Matthäusevangelium. Herodes, der brutale und machtbesessene König, missbraucht seine Macht, um seine Herrschaft durch Gewalt zu sichern. Durch die Flucht nach Ägypten gelingt Josef die Rettung der Familie. Jesus entgeht den tödlichen Gefahren, auch wenn der Weg gefährlich ist. Zum Glück wird die Familie in Ägypten aufgenommen, obwohl sie nicht schwarz auf weiß beweisen kann, dass sie verfolgt wird. Die Heilige Familie als Asylanten.
Eine Gegenbewegung gegen den Ungeist der Gewalt und des Machtmissbrauchs verbindet sich für uns mit dem Namen Jesus. Auch er hat Macht – aber keine Macht der Knüppel und Granaten. Er spricht von der Macht der Liebe, auch wenn er später ein Opfer brutaler Gewalt wurde. Seine Botschaft lebt weiter.
Was bedeutet das für uns? Millionen Menschen sind auf der Flucht, geflohen vor Gewalt und Bürgerkrieg, aber auch vor trostlosen Zuständen in der Heimat, an denen wir manchmal nicht unbeteiligt sind. Die heilige Familie floh nach Ägypten, wurde aufgenommen und blieb so lange, bis sich die Verhältnisse im Lande verändert hatten.
Beim Thema Flüchtlinge ist unsere Gesellschaft gespalten. Manch einer hat Angst vor dem Fremden. Aber ist das nicht auch eine Art von Flucht? Eine Flucht vor der Not, die uns vor Augen steht. Oder wollen wir vor dem fliehen, was da auf uns zukommt? Haben wir im Augenblick durch die Flüchtlingsströme wirklich schon auf etwas verzichten müssen?
Auf der Flucht – und doch hoffentlich: Geborgen in Gottes Hand. Wir glauben daran und hoffen, dass es ein Leben in Würde für jedermann gibt, dass Liebe stärker ist als Gewalt, dass Klarheit gefunden werden kann, dass wir mit Ängsten leben können, dass Zukunft wieder lebenswert erscheinen kann, dass Hoffnung wieder stärker als der Zweifel werden kann.
Was soll ich tun? Liebe deinen Nächsten wie dich selbst. Wenn du das tust, bist du durch ein unsichtbares Band mit Gott verbunden, denn Gott ist Liebe. An diese Liebe erinnern wir uns an Weihnachten und hoffentlich auch danach.

Ihr Pastor
Uwe Völker

September 2015

Liebe Leserin, lieber Leser,
Galiläa, ca. 29 n. Chr. Früh am Morgen kommen Petrus und seine Leute vom See zurück. Sie sind müde und enttäuscht. Heute Nacht sind ihre Netze leer geblieben. Kein einziger Fisch! Sie wollen nur noch nach Hause. Doch auf einmal steht da Jesus und schickt sie wieder los. Um diese Zeit? Das weiß in diesem Fischerdorf jedes Kind: Fische fängt man nachts! Was Jesus verlangt, geht vollkommen gegen den Trend. Und wohin schickt er sie? Weit nach draußen auf den See. Dahin, wo es tief ist. Vielleicht an Stellen, wo sie sonst nicht hinfahren, wo sie sich nicht so auskennen. Zögerlich lassen die Fischer sich darauf ein. Und das Unglaubliche geschieht: Die Netze quellen über vor Fischen. Nicht zu fassen! Das ist völlig entgegengesetzt zu allem, was logisch und sinnvoll erscheint. Was der Erfahrung entspricht. Aber trotzdem oder vielleicht gerade deswegen ein voller Erfolg.
Sonntagmorgen, 9.53 Uhr. Ich laufe durch die Göttinger Innenstadt. Die Luft ist erfüllt von Glockenklang. Die Straßen sind leer. Aber nicht, weil die Menschen alle noch im Bett liegen. Blicke nach links und rechts zeigen: Die Cafés sind voll. Man geht nicht zur Kirche am Sonntagmorgen. Man geht frühstücken. Wer dem Ruf der Glocken folgt, geht voll gegen den Trend.
Und das ist gut so, oder? Schließlich machen wir „Kirchenleute“ nicht jeden Trend mit, nur weil er gerade in Mode ist! Schließlich wissen wir noch, was sich gehört! Die Kirche muss sich doch abheben von der großen Masse und Jesus hat ja auch nicht danach gefragt, was andere über ihn denken!
Aber wie ist das denn bei uns mit den Fischen und den Netzen? Ist es nicht eher so, dass wir als Kirche meistens tun, was wir „immer schon“ getan haben und dass die „Netze“ irgendwie eher leer sind? So leer, wie mancher Kirchenraum Sonntag für Sonntag? Was wäre, wenn Jesus uns losschicken würde so wie Petrus damals am See Genezareth? Wenn er uns auftragen würde, etwas zu tun, das vollkommen unserer Erfahrung und sämtlichen Trends widerspricht? An Orte zu gehen, wo wir uns nicht auskennen, wo es richtig tief ist. Wo der Klang der Glocken am Sonntagmorgen nicht hin reicht, dahin, wo die Fische, pardon, die Menschen sind?
Und was wäre unser Ziel? Die Bankreihen am Sonntag wieder zu füllen? Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht: Mein Ziel ist, Menschen, die mit den Glocken und den Kirchenbänken, mit Liturgien und Gebeten nicht viel anzufangen wissen, ganz neu etwas zu zeigen von Gott und seiner Liebe, von der Hoffnung, die er für uns hat. Ganz bei ihnen zu sein und auch bei ihnen zu bleiben. Ganz neu zu denken, was es eigentlich heißt, als Gemeinde Gottes heute zu leben. Frei von Zwängen und Konventionen und, wenn es sein muss, auch von allzu liebgewordenen Traditionen und Formen. Das heißt nicht, dass alles, was wir heute tun, schlecht ist. Im Gegenteil! Aber lassen Sie uns hier und da mal die Staubschicht abwischen. Lassen Sie uns kreativ werden. Und lassen wir uns von Jesus herausfordern, auf den See zu fahren, auch entgegen aller Logik und Erfahrung. Kommen Sie mit?

Ihre Annette Lapp

PS: Die ultimative Chance für alle „Staubwischer“ und kreativen Mitgestalter bietet sich bei den Gemeindewahlen am 8. November. Reden Sie mit und nehmen Sie Einfluss auf das, was in unserer Gemeinde passiert! Geben Sie ihre Stimme ab oder kandidieren Sie selbst, wir brauchen Ihre Unterstützung! Siehe auch S. 8.

März 2015

Nehmt einander an, wie Christus euch angenommen hat zu Gottes Lob.
Römer 15,7

Die Jahreslosung 2015 ist ein Appell, endlich die Mauern zwischen Menschen niederzureißen und die Fremdheit zwischen ihnen abzubauen. Nehmt einander an! Das hört sich einfach an. Aber mir wäre schon geholfen, wenn ich mich selbst annehmen könnte. Freilich, manchmal hilft es mir, wenn andere mich anzunehmen scheinen, doch ich traue dem Frieden nicht ganz. Die Worte von der Annahme sind mir mitunter doch suspekt, auch wenn ich sie prinzipiell für richtig halte.
Wir sollten und können es lernen, andere anzunehmen. Es geht darum, Frieden zu lernen, nicht Harmonie. Offen und direkt mit Anderssein und Konflikten umgehen, so dass Verständigung eintritt, auch wenn wir unterschiedlich bleiben. Zu lernen heißt, sich im Anderen und im Fremden wiederzuerkennen. Wir bedrohen einander nur durch das, was wir miteinander nicht teilen. Wir entfremden uns von Armen, Alten, Kranken, Flüchtlingen und Fremden, wenn wir die eigene Armut, Schwäche, Hilfsbedürftigkeit und Zerbrechlichkeit verleugnen.
Annehmen heißt für mich: Anteil nehmen, miteinander teilen. Wir sind aufeinander angewiesen. „Nehmt einander an“ heißt auch: Nehmt einander ernst. Das bedeutet etwas ganz anderes als „scheinheilige Harmoniesoße“, die über jeden Konflikt gegossen wird wie heiße Himbeeren über kaltes Eis. Konflikte schmelzen nicht, wenn man sie lauwarm und süß zudeckt. Im Gegenteil: Sie verfestigen sich. Wir müssen lernen, konfliktfähig zu werden. Einander ernst zu nehmen heißt auch, sich einander zuzumuten, sich auseinanderzusetzen, zu sich selbst und zu anderen zu stehen.
Das ist schwer. Jeder muss sich selbst fragen: Was bedeutet es für mich, andere anzunehmen? Wie nehme ich Armut, Fremdheit, Frustration oder das Aufbegehren gegen Ungerechtigkeit an? Unverbindliche Erklärungen helfen nichts. Über alle politischen, sozialen und kulturellen Unterschiede hinweg ist es der Auftrag der Christen, das verbindend Menschliche zu betonen und danach zu handeln. Dann heißt einander annehmen: Ich bin bereit, hinzuhören, meine eigene Meinung in Frage zu stellen und über mehr Gerechtigkeit nachzudenken. Vielleicht heißt es auch, Einbußen hinzunehmen an Geld, Zeit und Nerven.
Aber kann ich das wirklich? Ich habe manchmal Angst davor, dass man mich ernsthaft auf die Probe stellt. Aber gibt es eine Alternative? Ziel sollte doch sein, dass es eine Selbstverständlichkeit wird.

Ihr Pastor
Uwe Völker

Dezember 2014

Menschen müssen alles aufgeben, verlassen die geliebte Heimat, um irgendwie zu überleben. Bilder langer Flüchtlingsströme, zerbombte Häuser und die hoffnungslos verweinten Kinderaugen prägen sich mir ein. Schleuserbanden bieten dem syrischen Vater aus Homs, seiner Frau und den beiden Töchtern die Überfahrt ins sichere Europa an. Abgöttische Angst und Durst quälen sie, bis das Festland erreicht ist. Geschätzten 230.000 Flüchtlingen aus Syrien bietet unser Land vorläufig Schutz, neben den sonstigen Zuwanderern. Das entspricht nicht einmal 0,3 Prozent unserer Bevölkerung!
Nehmt einander an, fordert die Jahreslosung 2015. Passender hätte sie kaum sein können. Jesus ist gut und freundlich zu allen Menschen. Er hat Erbarmen mit Ausgestoßenen und holt sie in die Gesellschaft zurück. Jesu Toleranz überschreitet Grenzen, die unser Miteinander gewaltig einengen. Für ihn gibt es keinen Unterschied zwischen Starken und Schwachen, Reichen oder Armen. Die Stärke ist sein Kreuzestod auf Golgatha. Durch den erreichten Frieden mit Gott werde ich so angenommen, wie ich bin. Dieses neue Verhältnis zu Gott macht mich dankbar für das, was ich bin. Ich darf es mir sagen lassen: Du bist mit deinen Ecken und Kanten, deinen verdeckten Stärken von Gott angenommen.
Ich brauche mich nicht ewig überfordern und ausbeuten zu lassen. Nehmt einander an, wie Christus euch angenommen hat. „Meine Mutter wird mehr Unterstützung brauchen, die beiden pubertierenden Mädchen fordern mich ganz schön heraus und mein Mann kommt erst spät am Abend aus seinem Büro los, wie soll ich das alles schaffen?“ Das Verhältnis von Jungen und Alten, unter der Vereinbarkeit beruflicher Anforderungen, wird öfters auszuloten sein, auf dass sich jede und jeder in der Familie gut angenommen fühlt.
Das Jugendamt nimmt Lea und Leon aus der verwahrlosten Wohnung heraus. Die Eltern verdienen kaum und brauchen zu viel für sich selbst. Kein Einzelfall von Überforderung und Vernachlässigung in unserem Land. Oliver kann nach einem Unfall den Bus nicht mehr lenken, Depressionen lähmen ihn, seine Partnerin zieht aus. Von fast niemandem fühlt er sich angenommen. Wer einmal im Strudel drin ist, droht in unserer Leistungsgesellschaft zu verlieren. Für Kinder ist das mehr als beschämend. Es muss uns gemeinsam gelingen, eine für Jüngste und Schwächste ausgerichtete Gesellschaft noch mehr zu stärken.
Die syrische Familie lernt unsere Sprache und wünscht, für sich selbst sorgen zu können. Die Türen unseres reichen Landes müssen sich weiter öffnen, angesichts der Vielen, die vor ihr stehen. Lea und Leon erfahren in der Pflegefamilie einen geregelten Alltag. Solche Familien sind nötig. Ob Oliver einen neuen ansprechenden Arbeitsplatz findet?
Ich wünsche mir, liebe Leserin, lieber Leser, dass Sie sich selbst von Jesus Christus angenommen spüren und diese Erfahrung tatkräftig verbreiten. Dann danken wir Gott in Wort und Tat. Paulus hat dies an die Gemeinde in Rom wie folgt formuliert: Nehmt einander an, wie Christus euch angenommen hat zu Gottes Lob. (15,7)
Für das Neue Jahr Gottes gesegnete Begleitung!
Ihre

Pastorin Jenny Robbert

September 2014

Die kleine Matilda steht mit ihrer Oma Hilde und ihrem Bruder Jakob vor dem Beet mit den großen Sonnenblumen. Ein Loch haben sie gegraben und das kleine leblose Fellknäuel dort vorsichtig hineingebettet. Hoppel, das gescheckte Zwergkaninchen, ist an einer Krankheit gestorben. Er war das erste Haustier von Matilda und ist nur zwei Jahre alt geworden. „Ich vermiss dich so, Hoppel!“, flüstert Matilda weinend. Sie legt eine leuchtendgelbe Löwenzahnblüte in das Kaninchengrab. „Ruhe in Frieden!“ sagt Jakob und lässt dann drei Mal feierlich Sand auf den toten Hoppel rieseln. Das hat er mal bei einer Beerdigung im Fernsehen gesehen. „Jetzt musst du nie wieder
krank sein, Hoppel.“ sagt Oma Hilde liebevoll und streichelt eine Träne von Matildas Wange. Dann fassen die drei sich an den Händen, sie schweigen, bleiben einen Augenblick so stehen und schippen dann das Grab zu. Matilda steckt ein mit Löwenzahn verziertes Holzkreuz aus Birkenzweigen in die Erde.
Abends darf sie alleine bei Oma Hilde übernachten. Die beiden sitzen zusammen in Oma Hildes Doppelbett, Matilda auf Opa Herrmanns Seite, der gestorben ist, als sie noch ein Baby war.
„Du, Oma, bist du noch traurig, dass Opa tot ist?“ fragt Matilda nachdenklich. „Manchmal bin ich noch traurig, weil ich ihn sehr vermisse und dann wieder nicht, weil ich daran glaube, dass Opa beim lieben Gott gut aufgehoben ist.“
Oma Hilde nimmt eine Karte, die sie hinter das Bild von Opa Herrmann geklemmt hat, das auf ihrer Bettseite hängt. Auf dem Bild ist er zu sehen, wie er Pfeife rauchend in einer Hängematte schaukelt.
Sie liest vor: „Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein; denn das Erste ist vergangen. Und der auf dem Thron saß, sprach: Siehe, ich mache alles neu!“ (Offb. 21,4)
Matilda denkt nach, dann fragt sie: „Bedeutet das, Gott macht eine neue Welt?“ Oma Hilde nickt: „Ja, aber in dieser neuen Welt wird es kein Leiden geben.“ Matilda denkt immer noch nach und fragt dann: „Oma, gibt es dort Löwenzahn und Hängematten?“ „Ich glaube schon, Matilda“, antwortet Oma Hilde lachend. „Das ist gut!“ ruft Matilda, drückt ihr einen Kuss auf die Wange, schlüpft unter die Bettdecke und schläft fast sofort ein.

Ihre Pastorin Christina Klasink

Juni 2014

Mensch, gib doch ab!
Bald ist es wieder soweit: „Hau ihn doch um, von denen lasst ihr euch doch nicht die Butter vom Brot nehmen, mehr Einsatz, der kann doch nichts.“ Solche Worte sind dann auch zu hören. Lebensdramen spielen sich in 90 Minuten vor dem Fernseher ab. Als ob man selbst mitspielt, so erlebe ich einige Zuschauer. Der Fuß und der Mund bleiben nicht still und Rufe ertönen, so als ob ich selbst auf dem Platz stehe und sie mich hören. Manch einer ist voll dabei, mitten drin. Als Pastor, der die Spiele verfolgt, habe ich den Zuruf aufgeschnappt: „Abgeben. Abgeben. Mensch, gib doch ab!“ Abgeben, das gehört zum guten Spiel. Wenn einer alles alleine machen will, dann läuft nichts, dann geht es schief, dann verrennt er sich. Abgeben. Mensch, gib doch ab! Ein fantastischer Satz. Nicht nur beim Fußball, sondern auch oder gerade im Leben. Abgeben: andere einbeziehen, andere mitwirken lassen, seinen Part gut ausführen und dann abspielen. Den anderen auch etwas überlassen, sie am Spiel beteiligen, eben: zusammenspielen. Aber manchmal schafft man es nicht, loszulassen, kann die Fülle der Sorgen nicht abgeben, will das Spiel nur selbst organisieren, will allein mit den Herausforderungen fertig werden. Nur ich ganz allein und natürlich aus eigener Kraft. Dabei kann man schon mal auf der Strecke bleiben, wenn die Last übermächtig wird. Beim Fußball würde man sagen: Überdenke deine Strategie, plane deinen Einsatz neu. Wäre dieser Satz nicht auch für das Leben eine Hilfe?
Abgeben, zusammen spielen. Das gilt auf dem Spielfeld und im Leben. Aber es gilt auch für das Zusammenspiel von Gott und Mensch. Mensch, gib doch ab! Abgeben! Es an Gott abgeben. Ist es nicht eine gute Vorstellung zu wissen, dass Gott so manches Mal mit auf dem Spielfeld des Lebens steht und auch ruft: Mensch, gib doch ab! Ich stelle mir vor, dass er so manches Mal ruft: Deinen schweren Ball kannst du mir vor die Füße werfen, und wenn deine Kondition nicht ausreicht, dann ruhe dich bei mir aus. Und wenn du keine Kraft mehr hast, dann schicke ich dir einen Engel. Vielleicht ist das eine alte Taktik, aber eine Taktik, um mit frischer Energie und Kraft ins Spiel zu gehen. Auch wenn man nicht auf dem Platz steht, den Zuruf sollte man nicht überhören: Abgeben! Mensch, gib doch ab!

Ihr Pastor
Uwe Völker

März 2014

… ich bin einmalig.
Immer jung, dynamisch, hübsch, klug, innovativ, alternativ sein usw. Kann ich da noch mithalten? „Germany‘s next Topmodel“ und andere Fernsehbeiträge wollen uns wissen lassen, so musst du sein – wenigstens annähernd. Auch wenn uns Gott sagt: „Ich bin an deiner Seite und ich verspreche dir: Du bist einmalig, ich liebe dich“, fällt es doch manchmal schwer zu glauben, dass ich etwas Besonderes, Einmaliges bin. Wenn ich mich so ansehe, welche Fehler ich mache, wie ich gar nicht so bin, wie ich sein möchte – dann fällt es mir schwer zu glauben, ich sei etwas Besonderes.
Wahrscheinlich geht Ihnen das genauso. Wir ernten ja nicht nur Beifall von unseren Mitmenschen, sondern auch spöttische Blicke, Kritik, verletzende Urteile. Da schwindet häufig das Selbstvertrauen. Wenn Sie merken, andere wissen alles besser, wenn Sie merken, dass die Falten und Krampfadern auch durch Bodybuilding und Sonnenstudio nicht verschwinden, dann stellen sich Minderwertigkeitsgefühle ein. Das, liebe Erwachsene, betrifft die jungen Menschen, die bald konfirmiert werden, weit mehr. Sie leben in einer Phase, in der sie sich von ihrer Kindheit lösen und ihren eigenen Platz suchen. Man vergleicht sich mit anderen und findet sich selbst nicht schön, nicht klug genug. Andere sind beliebter. Ja, man vergleicht sich – nicht nur in diesem Alter. Jetzt entscheidet sich vieles für Jugendliche. Ob ich Selbstvertrauen entwickele oder von Minderwertigkeitsgefühlen bestimmt bleibe, ob ich einmal zu meinem Leben Ja sagen kann oder immer mit mir selbst unzufrieden bleibe. Das Märchen vom „hässlichen Entlein“ ist eine Geschichte vom Heranwachsen, aber auch von den Gefühlen heranwachsender Kinder. Viele schreckliche Erlebnisse hat das junge Tier. Was geht in einem vor, der ständig mit anderen verglichen wird? Er traut sich bald nichts mehr zu. Für Gott aber gilt : Du bist ein Original, auch wenn du von anderen als unfähig angesehen wirst. Er sagt: „Fürchte dich nicht, denn ich habe dich befreit, ich habe dich bei deinem Namen gerufen“ (Jesaja 43,1). Und
Gott sagt weiter: „Bleibe ein Original und werde nicht eine Kopie“. Du bist einmalig, etwas Besonderes, auch wenn du nicht die Schönste, der Klügste bist – du bist doch einmalig.
Ich sehe nicht aus wie ein Topmodel, ich spiele nicht Fußball wie Diego, ich bin nicht Albert Einstein, aber ich kann lachen, wie ich lache, ich kann denken, wie
ich denke – ich bin nicht großartig, nicht berühmt, ich rage nicht heraus, aber mich gibt es nur einmal, Gott hat mich wunderbar gemacht. So ist es.
Ihr Pastor
Uwe Völker

Dezember 2013

„Noch leuchtet der Stern“
Das Titelbild der Künstlerin Beate Heinen passt nicht zu der Weihnachtsstimmung, auf die viele sich freuen. Hier werden schon Weihnachtsreste im Müllwagen entsorgt. Die Bescherung hat man hinter sich, leere Geschenkkartons und der Feierabfall sind zerdrückt, die Weihnachtsbäume nadeln. Im Müllwagen, der die Straße hinunterfährt und uns so die Botschaft des Bildes ganz nahe bringt, sitzen Maria und das Kind vor goldenem Hintergrund. Die eifrigen Müllmänner gehen der alltäglichen Gründlichkeit und Routine bereits wieder nach, doch Maria und das Jesus-Kind strahlen eine „himmlische Ruhe“ aus. Die beiden erinnern an etwas Bleibendes. Das Fest ist vorbei, aber ER, Jesus, der Sohn Gottes, der sich nicht gescheut hat, alles mit uns zu teilen, bleibt. Gott kam in Jesus in diese Welt, um uns etwas Bleibendes zu sagen: Gottes Liebe und seine Treue bleiben den Menschen auch nach den Weihnachtstagen erhalten. Dafür steht der helle Stern am Himmel. Gott ist treu, er spiegelt sich im Gold der Treue, im Stern am Himmel und im Gold als Hintergrund im Müllwagen wider.
Unser „neuer“ Gemeindebrief wirbt nicht mit einem typischen Weihnachtsbild, lädt überraschend einen Augenblick zum Nachdenken ein. Wo doch auf allen Waren, die wir in die Hände nehmen, ein Verfallsdatum vermerkt ist, heißt die Weihnachtsbotschaft: „Er kam in sein Eigentum ... wie viele ihn aber aufnahmen, denen gab er Macht, Kinder Gottes zu werden“. (Joh 1,11f.) In der Adventszeit auf ihn warten, am Festtag fröhliche Lieder in der geschmückten Kirche singen und ein bisschen spüren, wie wunderbar es ist, von einem Gott zu hören, der sich ganz auf unsere menschliche Ebene herablässt. Und nach Weihnachten? Er ist und will in unserer Nähe sein. In unserer hektischen
und friedlosen Welt leuchtet ein Stern, der die Dunkelheit zurückdrängt. Dieser warme Strahl will in die Häuser
fließen und uns Menschen mutig und zuversichtlich stimmen. Jesu Geschichten leuchten wie der helle Stern. Immer neu sprechen sie unsere gegenwärtigen Empfindungen und Erfahrungen an. Jesus ist - cool gesagt -, auch heute noch „up to date“. Sein Leben verläuft nicht geradewegs vertikal. Es ist seine klare und eindeutige Sprache, seine fürsorgliche und menschliche Haltung, die ihn mir mehr als sympathisch macht. Sich auf seine Zuverlässigkeit zu verlassen und ihn um Unterstützung in jeder Lebenssituation bitten zu dürfen, lässt ihn mir zu einem Freund werden, den ich nach Weihnachten nicht „entsorgen“ will. Es wird sich hoffentlich lohnen, wenn Sie, liebe Leserin,
lieber Leser, sich täglich von diesem Stern wärmen und erhellen lassen!

Ihre Pastorin Jenny Robbert

September 2013

Reformationstag vs. Halloween
Süßigkeiten, Zombiekostüme, Vampir- zähne und unzählige Kürbislaternen beherrschen ab Mitte September viele Kaufhausregale und so manche Schaufenster. Es geht auf Halloween zu – und fast alle Kinder freuen sich auf eine Nacht, die viel mit Gespenstern, Hexen und Verkleiden zu tun hat. Dann toben tausende kleine Hexen und Teufel durch dunkle Straßen und stille Gassen und stellen uns vor die Alternative: „Süßes oder Saures“. Hoffentlich steht ein Körbchen mit Süßem bereit. Doch was es mit Halloween wirklich auf sich hat, davon hat kaum jemand eine Ahnung.
Auch mit dem Wissen um den Reformationstag - selben Datums - der als Gedenktag etwas sperriger ist als das schrille Maskenfest, steht es nicht mehr zum Besten. Bei Halloween, aber auch bei Luthers Reformation geht es um den Himmel und die Hölle. In Irland erzählt man sich dazu die Geschichte von Jack O’Lantern: Der Hufschmied war durch eine List der Hölle entkommen, doch die Tür zum Himmel blieb ihm verschlossen. Er war dazu verdammt, ewig zwischen Himmel und Hölle zu wandern. Seinen schrecklichen Weg beleuchtete er mit einer Kerze in einer ausgehöhlten Rübe.
Im Leben des Mönchs Martin Luther spielten Himmel und Hölle auch eine große Rolle. Er hatte Angst vor der ewigen Verdammnis, bis ihm ein Licht aufging und so das Evangelium in seine Höllenängste hineinleuchtete. Plötzlich sah er den offenen Himmel über sich und vor sich, war nicht mehr zerrissen zwischen Himmel und Hölle. Das ist eine Gemeinsamkeit von Halloween und Reformationstag.
Mit den  Worten „Süßes oder Saures“ verlangen Kinder an unseren Türen Süßigkeiten. Und sie versprechen, im Gegenzug keinen Unfug zu treiben. Dieses Tun fasst irgendwie auch den Anfang der Reformation zusammen. Denn der Ablasshandel war es, der Martin Luther zum Anschlag der 95 Thesen veranlasste. Die Frage, ob die Menschen sich für Geld von den Strafen der Hölle freikaufen können: eine weitere Verbindung.
Wenn Kinder und Jugendliche sich jetzt auf Halloween freuen, so können wir sie getrost feiern lassen. Auch wenn es nicht unser Fest ist. Richtig verstanden müssen wir Christinnen und Christen keine Angst vor Toten und Geistern der Hölle haben. Wenn wir die Bedeutung von Halloween einmal vergessen, ist das nicht so schlimm. Die Kinder werden weiter von Haus zu Haus gehen und ihren Spaß haben. Vergessen wir aber irgendwann die Bedeutung des Reformationstages, ist er es nicht mehr wert, so genannt zu werden, meint
Diakon Wolfgang Ziehe

Juni 2013

„Zusammen sind wir was“.
Ihr Interesse an ein großartiges Gemeinschaftserlebnis bringt sie zusammen. Über Hunderttausend. Ein paar Tage gehen wir offen und unkompliziert aufeinander zu. Lassen uns hinreißen, neue Lieder gemeinsam zu singen. Kommen ins Gespräch über das Motto des Kirchentages in Hamburg. Ich kann nehmen, soviel ich brauche. Das tut gut, klingt wie Balsam für meine Seele. Nur, was brauche ich? Liegt es überall bereit, auch wirklich für jeden anderen? Zusammen werden wir noch weiter daran arbeiten müssen, dass jeder Mensch genügend Nahrung und Bildung bekommt. Die Vielfalt an Menschen in unserem Land spiegelt sich auch in den Religionen wieder. Wir können aufeinander zugehen und brauchen dazu einen guten Überblick über den eigenen Glauben. Die Geschichten aus unserem alten Glaubensbuch haben nichts an Aktualität verloren. Sie bringen Jung und Alt zusammen. Diese Erzählungen sind im menschlichen Miteinander beheimatet; im gemeinsamen Gespräch beeinflussen sie selbst das eigene Verhalten. In der ersten Christengemeinde in Korinth war das Zusammenleben ein wenig in die Schieflage geraten. Der Gemeindegründer Paulus gebraucht in seinem Brief ein sehr klares Bild: Die Gemeinde ist wie ein Körper. Der Fuß kann nicht so tun, als braucht er die Anweisung des Kopfes nicht. Wie soll er gehen? Auch Hände und Augen müssen miteinander agieren, um das Ziel zu erreichen. Alle Körperteile gehören zusammen, sind aufeinander angewiesen, um leben zu können. Die Kirche ist nur lebendig, wenn ihre Mitglieder zusammen etwas tun. Eine Gruppe bereitet den Weltgebetstaggottesdienst vor und niemand kommt? Jugendliche nehmen am Konfirmandenunterricht teil, sie gestalten einen thematischen Gottesdienst und niemand kommt? Viele freuen sich neugierig auf den Plessetag und wollen kommen, aber wer bietet seine Talente für die Vorbereitung an? Die Kirchengemeinde ist fast ausschließlich auf ehrenamtliche Einsätze angewiesen. Sie braucht viele. Auch mich? Jede und jeder hat eine besondere Gabe, die im Zusammenspiel mit anderen Großes und Wichtiges hervorbringt. Dies zu erfahren tut gut. Irgendwie verbindet uns auch die Beziehung zu Gott. Es wird der Gemeinde nützen, wenn sich meine Hände und Füße zusammen einbringen. Mir klingt das Kindergottesdienstlied in den Ohren: „Wenn einer sagt: Komm, geh mit mir, zusammen sind wir was, dann werd ich rot, weil ich mich freu, dann macht das Leben Spaß.“ Liebe Leserin, lieber Leser, diese Freude und Gemeinschaft wünsche ich uns. Erst zusammen sind wir wirklich was!

Ihre
Pastorin Jenny Robbert

März 2013

Liebe Leserin, lieber Leser,
dass ich meine Umzugskisten ausgepackt habe, ist nun schon eine Weile her. Gestärkt durch ein eindeutiges JA ohne Gegenstimmen in der Pfarrwahl habe ich zu Beginn des Kirchenjahres die Arbeit in den Gemeinden Reyershausen und Eddigehausen aufgenommen. Für den Vertrauensvorschuss, den Sie mir als Wählerin oder Wähler entgegengebracht haben, möchte ich mich noch einmal herzlich bedanken. Über die vielen spannenden neuen Aufgaben und die persönlichen Begegnungen freue ich mich sehr.
Beim Gedanken an den zurückliegenden Umzug kommt mir die Jahreslosung in den Sinn, die uns durch das Jahr 2013 begleitet:
Wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir. Hebräer 13,14
So ein Umzug hat ja immer zwei Seiten:
Zum einen verspricht er das Abenteuer des Neuanfangs: Es gilt, eine neue Landschaft, eine neue Stadt, eine neue Arbeit zu entdecken. Unbekannte Gesichter, die mit jeder neuen Begegnung vertrauter werden.
Auf der anderen Seite verbinden sich mit so einem Aufbruch ins Unbekannte mulmige Gefühle: Vertraute Wege und liebgewonnene Menschen bleiben zurück.
Über all dem schwebt die Sehnsucht: Endlich ankommen im Leben, endlich einen Platz finden, zu dem ich gehöre. Ein Ort, an dem alles so bleibt, wie ich es mag. Das wäre schön.
Diese Sehnsucht bleibt ungestillt. Selbst wenn man immer am selben Ort wohnt, bleibt alles im Wandel. „Geh voran! Bleibt alles anders“, singt Herbert Grönemeyer.
Die Jahreslosung ermutigt, das Leben im steten Wandel zu akzeptieren, nach vorne zu leben – auf Hoffnung hin.
So heißt es in einem meiner Lieblingskirchenlieder:
„Vertraut den neuen Wegen, auf die uns Gott gesandt! Er selbst kommt uns entgegen. Die Zukunft ist sein Land. Wer aufbricht, der kann hoffen in Zeit und Ewigkeit.“
Dieses Bild der Hoffnung gibt Kraft in den Neuanfängen, die das Leben von uns fordert. Wir gehen Gottes Zukunft entgegen. Er selbst kommt auf uns zu.
Mit sich bringt Gott seine neue Welt, die neue Schöpfung. In ihr ist all das überwunden, was uns Kummer macht und uns zweifeln lässt: Tod und Leid, Angst und Schuld haben ausgedient Gewalt und Schmerz werden durch Gottes unaufhaltsame Lebensmacht ihrer Daseinsberechtigung beraubt.
„Die Tore stehen offen. Das Land ist hell und weit.“

Ihre Pastorin Christina Klasink

Dezember 2012

Alle Jahre wieder?
Ein neues Kirchenjahr beginnt. Diese merkwürdige Konstruktion, die die biblische Geschichte in einen Jahresrhythmus einordnet, der sich immer und immer wieder wiederholt: „Alle Jahre wieder kommt das Christuskind auf die Erde nieder.“
Das ist natürlich Blödsinn! Christus hält sich nicht an 24 Türchen, wo ein Stückchen Schokolade zu ergattern ist. Jesus ist bei uns alle Tage. Aber uns scheint es hilfreich zu sein, wenn wir die Tage einteilen können, um an bestimmten Tagen dieses und jenes zu feiern. Da ist es einleuchtend, dass wir am Anfang eines Kirchenjahres das feiern, womit alles angefangen hat: Die Geburt, die Menschwerdung Jesu. Aber halt! Mit Weihnachten, mit der Geburt fängt das Kirchenjahr nicht an. Warum nicht? Weil die Geschichte Gottes mit uns bereits früher beginnt, nämlich mit der Verheißung seines Kommens. Das Kirchenjahr beginnt mit Advent, der Zeit des Wartens auf Jesus Christus. Von der Zeit des „Davor“, dass Maria den Sohn Gottes gebären werde, zeugt ihr Lied: Meine Seele erhebt den Herrn, und mein Geist freut sich Gottes, meines Heilandes; denn er hat die Niedrigkeit seiner Magd angesehen…denn er hat große Dinge an mir getan… Sie singt ein Loblied, jung, schwanger, mit einem Berg von Schwierigkeiten, der auf sie zukommen wird. Warum? Weil Gott „Großes“ an ihr getan hat. Und dieses „Große“ hat er getan, obwohl sie selbst keine „Große“ ist. Ohne Schwierigkeiten kann sie das, was Gott an ihr getan hat, in die Heilstaten Gottes an der ganzen Welt einordnen.
Und deshalb singt sie weiter: „Seine Barmherzigkeit währt…er stößt die Gewaltigen vom Thron und erhebt die Niedrigen…die Hungrigen füllt er mit Gütern und lässt die Reichen leer ausgehen…Er gedenkt der Barmherzigkeit…“ (Lk.1,50ff)
Ihr Loblied klingt jetzt aber anders. Hier kommt Politik zur Sprache, soziale Missstände. Maria sieht sich mittendrin. Zu Recht! Denn hier kommt klar zum Ausdruck, wem Gott sich zuwendet: den Niedrigen – und deshalb auch ihr. Gott hat eine Affäre mit den Schwachen.
Er verheißt und er praktiziert die Umkehr. Ja, er geht sogar soweit, dass er zum „heruntergekommenen Gott“ wird. Er erniedrigt sich, um uns Menschen gleich zu sein. Er kommt unten an. Was heißt das für uns? Dass Gott die Verhältnisse auch der Macht umkehrt. Für uns stellt sich nun die Frage, auf  der richtigen Seite zu stehen, auf der Seite Gottes, ganz klar. Und deshalb ist es auch kein Zufall, dass „Brot für die Welt“ jedes Jahr im Advent eröffnet wird. Denn mit Maria erinnern wir uns: Gott kommt unten an, und dort muss auch die kirchliche Arbeit ankommen. Ganz unten. Brot für die Welt eröffnet am 1. Advent die 54. Aktion mit dem Ziel: Hilfe zur Selbsthilfe.
Maria feiert sozusagen im Voraus. Sie feiert etwas, das noch aussteht. Und was ist „Advent feiern“ anderes, als Vorfreude über das, was kommen wird, nämlich Jesus. Advent, Weihnachten  feiern, davon sollen aber auch andere etwas spüren. Deshalb die Aktion „Brot für die Welt“.
Ihr Pastor Uwe Völker